Die Seeseite des Schlosses Chartreuse im Jahr 1954 ohne den 1941 weggesprengten Mittelteil. © Thunensis
Chartreuse-Story – Teil 4
Die explosive Rache der Idyll AG
Am 12. Juni 1933 verkauft Baron Waldemar von Zedtwitz seinen gesamten Besitz zum Preis von 2,5 Millionen Franken der Immobiliengesellschaft Chartreuse. Die neue Eigentümerin bezweckte «den Ankauf und Verkauf der Schlossbesitzung in der Gemeinde Hilterfingen und die Verwaltung der Liegenschaft sowie deren Parzellierung und Liquidation, die Anlage von Strassen und Wegen, den Abschluss von Kauf- und Pachtverträgen sowie die Vornahme aller Rechtshandlungen, welche mit der Schlossbesitzung Chartreuse zusammenhängen».
1934 pachtet Hedwig Müller die ehemlige Kutschengarage des Schlosses und eröffnet dort die erste Gartenbauschule für Mädchen. Am 16. Mai 1936 wird der obere Teil der Chartreuse-Besitzung, also das Schloss mit der Terrasse und dem Wald, an die Idyll AG verkauft. Kurz danach setzt ein Bauboom ein. Der Schlosspark wird mit Einfamilienhäusern zugebaut. Die Bächimattpromenade kann vom Uferschutzverband 1936 für die Allgemeinheit gerettet werden.
Im Spätherbst 1936 plant die Idyll AG, Genf, den Wald zu Bauzwecken total abzuholzen. Dank dem Eingreifen von Gemeindepräsident und einem Kantonspolizisten kann die Tat verhindert werden. Im Anzeiger für den Amtsbezirk Thun vom 25. Oktober 1940 gibt die Idyll AG den «teilweisen Abbruch des mittleren Teils des Schlosses Chartreuse und Umbau der verbleibenden Seitenflügel in zwei voneinander unabhängige Objekte» bekannt. Als Rache, dass die Idyll AG das Wäldchen nicht abholzen durfte, sprengt sie am 8. Januar 1941 den gesamten Mittelbau des Schlosses, ohne den Gemeinderat von Hilterfingen zu orientieren, zum grossen Ärgernis der Bevölkerung. Während Jahren bleiben aber die beiden Flügel stehen und werden wieder bewohnt.
1965 werden die Schlossruinen als Abbruchobjekt durch die Luftschutztruppen abgeräumt. Halt, nicht ganz alle. Bis heute steht an der Staatsstrasse bei der Einmündung der Mülinenstrasse ein Rest des ursprünglichen Tores (Bild links) des Schlossparks. Man sieht ihn kaum, er ist fast vollständig verdeckt von Büschen, und doch erinnert er uns an das ehemalige Schloss. Ausserdem erinnern in Hünibach noch zahreiche Wege wie Mülinenstrasse, Schlossweg, Parkweg, Chartreusestrasse, Zedtwitzweg oder Rougemontweg sowie natürlich die Busstation «Chartreuse» an die Zeiten des ehemaligen Schlosses.
Kapitel 3 – das einsame Prunkschloss
Kapitel 2 – der Segelunfall von Baron von Zedtwitz
Kapitel 1 – die Kartause
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