Gesundheitscoach und Biohacker Rolf Duda am Thunersee: «Wir müssen uns der Natur wieder nähern.»

Der Wolf, der die Kälte sucht

Er nennt sich «Peakwolf», heisst mit richtigem Namen Rolf Duda und hat am Thunersee die Liebe zum Eisbaden entdeckt. Eine Begegnung mit dem Gesundheitscoach und Biohacker in Hünibach.

Sportlich der Gang, lässig die Kleidung, gepflegt der Bart. Rolf Duda (42) hat für das Gespräch mit dem Journalisten an der Ländte in Hünibach zwei seiner wichtigsten Utensilien ausnahmsweise zu Hause gelassen: die Badehose und die Wollmütze. Die hat er immer dabei, wenn er bei unterirdischen Temperaturen in den Thunersee steigt, sich in der winterlichen Cholereschlucht ein Erfrischungsbad gönnt oder bei 20 Grad unter null fast unbekleidet in den verschneiten Bergen wandert. Duda ist in einer TV-Doku der ARD prominent zu sehen, wie er mit nacktem Oberkörper in einer eisig kalten Landschaft spricht, als befinde er sich am Strand auf den Bahamas: «Mir hilft die Kälte jeden Tag aufs Neue, mich selber zu spüren.»

Rolf Duda glaubt, was er sagt, und verpasst seinem Körper zwecks körperlichem und mentalem Wohlbefinden täglich Kälteschocks. Der frühere Unternehmensberater hat das Thema Gesundheit mittlerweile auch zu seinem Beruf gemacht. Als gefragter Referent tritt er in Unternehmen in der Schweiz und in Deutschland auf, wo er erklärt, wie sich Leistung und Gesundheit optimieren lassen. An Teambildungsanlässen gehört es dazu, dass als Akt grosser Willenskraft alle ins eisig kalte Wasser steigen, tief durchatmen und den Kälteschock über sich ergehen lassen. Wirklich alle? «Meine Erfahrung bei 2000 Leuten im Jahr ist, dass am Schluss alle reingehen», so Duda.

Dabei gehörte «Peakwolf» einst selbst zur verbreiteten Spezies der Warmduscher. In der Region Köln aufgewachsen, verschlug es ihn vor 15 Jahren aus beruflichen Gründen hierher. «Meine Frau und ich verliebten uns sofort in den Thunersee», erinnert sich Duda, der mit seiner Familie in Hünibach lebt. Im Januar 2014 sei er, inspiriert durch ein Video, das erste Mal in den kalten Thunersee gesprungen. Dabei habe er einen «magischen Moment» erlebt. «Von einer Sekunde auf die andere war ich vollkommen bei mir, habe nach dem ersten Schrecken ein Gefühl erlebt, das mir bis zu diesem Moment völlig fremd war.»

Rolf Duda geniesst sein Eisbad in der Cholereschlucht.

TIPPS FÜRS EISBADEN

  • Gehen Sie mindestens zu zweit ins Wasser, um im Notfall Hilfe leisten zu können.
  • Steigen Sie langsam ins Wasser, um einen gefährlichen Kälteschock zu vermeiden.
  • Halten Sie sich in Ufernähe auf, so dass Sie jederzeit aus dem Wasser steigen können.
  • Lassen Sie sich vor dem ersten Mal ärztlich untersuchen, insbesondere bei Herz-Kreislauf-Problemen.
  • Anfänger sollten nur wenige Sekunden bis maximal zwei Minuten im Wasser bleiben.
  • Duda empfiehlt generell eine Obergrenze von zwei Minuten: «Länger bringt nichts.»
  • Eine ruhige, kontrollierte Atmung anstreben, keine Schnappatmung.
  • Eine Wollmütze oder Neoprenkappe hilft gegen Wärmeverlust.
  • Nach dem Bad nur langsam aufwärmen, leicht bewegen, keine sportlichen Aktivitäten.
  • Workshops vermitteln das Einmaleins des Winterschwimmens.
  • Am Thunersee gibt es diverse Netzwerke, die das Kaltbaden gemeinsam betreiben.
«DER ATEM BLEIBT STEHEN, DAS HERZ RAST»

«Klar, am Anfang ist es ein Schock», räumt Duda ein, «der Atem bleibt stehen, das Herz rast, du spürst den Schmerz der Kälte.» Aber sobald man die Kontrolle über die Atmung wieder übernehme, tue es kaum mehr weh und es stelle sich gar ein Glücksgefühl ein. «Du trainierst deine Willenskraft und merkst, dass du fast unbesiegbar bist.» Diese Erfahrung gebe Power für alle Lebenssituationen.

Darüber hinaus soll das regelmässige Bad im kalten Wasser auch positive gesundheitliche Effekte bringen, so die Anhänger des Kaltbadens. Das Herz-Kreislauf-System werde gestärkt, Grippe und Erkältungen vorgebeugt, wobei es bislang nur wenige Studien dazu gibt. Belegt ist, dass Kälte das Entzündungen hemmende braune Fettgewebe aufbaut und dass Glückshormone ausgeschüttet werden. Unbestritten ist zudem, dass die Durchblutung angekurbelt wird, was stimulierend und entspannend wirken kann. Achtung: Werden die Regeln des Eisbadens nicht eingehalten, kann es auch schädlich oder gar gefährlich sein (siehe Tipps oben). 

DAS LEBEN ALS GESUNDHEITSEXPERIMENT

Abtauchen ins eiskalte Wasser gehört für Rolf Duda längst zum täglichen Ritual. Und es ist noch einiges dazugekommen: so etwa das Trinken des Morgenkaffes bei jedem Wetter in der Unterhose draussen auf dem Balkon, zwecks positiver Einstellung des Körpers auf den Tag. «Peakwolf» gehört zu den angesagten Biohackern, die ihr Leben zu einem Experiment machen. Sie wollen ihren Körper und Geist in Bestform bringen, indem sie neuartige Methoden, Therapien und Diäten ausprobieren und anhand von Blut- und anderen Körperwerten messen, wie sie darauf reagieren.

Technische Gadgets, wie sie heute in Mode sind, hat Duda allerdings bereits wieder weggelegt. «Wir müssen uns der Natur wieder nähern, indem wir zum Beispiel barfuss durch den Wald laufen, uns in die Sonne legen, im kalten Wasser schwimmen oder eben eisbaden gehen …»

Godi Huber