Lässt die Späne fliegen: Therese Saurer in ihrem Atelier «La plume en bois» in Thun.

Die mit den Federn schnitzt und meditiert

Schon in ihrer Kindheit war Therese Saurer fasziniert von Indianern und Federn. Kein Zufall also, dass sie in ihrem Atelier wunderschöne Federn aus Lindenholz fertigt.

«Das stimmt», lacht Therese Saurer in ihrem kleinen Atelier in Thun, an der Grenze zu Hünibach. «Federn und Indianer haben mich in meiner Kindheit tatsächlich fasziniert.» Doch dass die kürzlich pensionierte Pflegefachfrau heute Federn schnitzt, hat nicht etwa mit Kino-Häuptling Winnetou zu tun, sondern mit Ehemann Martin: Ihm schenkte sie vor fast 10 Jahren einen Schnitzkurs in Brienz. «Wir besuchten ihn zu zweit», erinnert sie sich an die drei Tage. «Ich war fasziniert von diesem Kunsthandwerk, Martin hatte weniger Lust.» Obwohl im Kursprogramm andere Objekte vorgesehen waren, stand für Therese von Anfang an fest: «Ich will eine Feder und einen Walfisch schnitzen.»

Gesagt getan. In den folgenden Jahren optimierte sie ihre Werkstatt und ihr Werkzeug, feilte am Design der Federn und versuchte sich auch mit verschiedenen Hölzern. «Das Lindenholz, das ich heute verwende, mag ein wenig langweilig wirken», erklärt sie ihre Techniken und Materialien. «Aber das weiche Holz eignet sich dank seiner Struktur perfekt für die filigranen Federn.»

Die Herstellung einer grossen Feder mit dem weichen Lindenholz dauert rund zwei Tage. Ein Unikat kostet 210 Franken.

Trotz perfektem Holz und der Routine benötigt die Handwerkerin für eine grosse Feder rund zwei Arbeitstage. «Das Schnitzen sieht zwar einfach aus», erklärt Therese Saurer. «Aber für mich ist das körperlich sehr anstrengend. Ich bin jeweils richtig erschöpft, wenn ich eine Feder fertiggestellt habe.»

Erschöpft, aber glücklich. «Im Atelier tauche ich völlig ab. Bin in meiner eigenen Welt. Eine Art handwerkliche Meditation», beschreibt die bald vierfache Grossmutter. «Obwohl ich viele Bestellungen und Ausstellungen habe, ist es für mich noch immer ein Hobby.» Und das soll es auch bleiben. «Unter Zeitdruck arbeite ich nicht gerne», erklärt Therese. «Zum einen habe ich das über Jahrzehnte im Spital Thun gemacht, zum andern werden die Federn unter Zeitdruck weniger schön.» Und das will die Perfektionistin nicht.

Folgen bald einmal neue, andere Holz-Objekte? «Ich weiss es nicht», so die Schnitzerin.«Ich habe zwar schon Lust auf Neues. Aber den Leuten gefallen die Federn so gut, und ich liebe es, sie zu machen – wieso sollte ich also damit aufhören?»

AUSSTELLUNG IN DROGERIE CHARTREUSE

Noch bis Ende diesen Monat werden die handgefertigten Holz-Unikate von «La plume en bois» in der Drogerie Chartreuse in Hünibach ausgestellt.