Airbnb-«Superhost» Markus Achermann: «Weshalb sollte ich mich verstecken?»
«Gäste glücklich machen»
Markus Achermann, wie läuft das Geschäft?
Ich bin zufrieden, erreiche eine Auslastung von guten 80 Prozent und beherberge mehr als 1000 Gäste im Jahr. Diese kommen aus aller Welt, im Frühjahr oft aus Indien, im Sommer aus den USA und dem Mittleren Osten, im Winter aus Australien und das ganze Jahr aus Asien, Europa und der Schweiz.
Die Kurzzeitvermietung gilt als Goldgrube. Stimmt das?
Das möchte ich relativieren. Wenn ich die Gäste persönlich betreue, die Abgaben korrekt abrechne und die Kommission, die Nebenkosten und den Unterhalt mitberücksichtige, ist das Einkommen nicht höher als bei anderen Selbstständigerwerbenden.
Andere Anbieter wollten uns kein Interview geben. Warum tun Sie es?
Wer diese Arbeit richtig macht, leistet einen harten Job. Jeden zweiten oder dritten Tag kommen neue Gäste, die wir glücklich zu machen haben. Diese bewerten die Freundlichkeit, Sauberkeit und Ausstattung – einsehbar für alle im Internet. Da dürfen wir keinen schlechten Moment haben. Hinzu kommt, dass die Gäste eine willkommene Wertschöpfung in die Region bringen. Sie kaufen hier ein, benutzen die Bergbahnen und Schiffe und zahlen Tourismustaxen. Weshalb sollte ich mich da verstecken?
Und die Konkurrenz schläft nicht, wird von Tag zu Tag mehr?
Es gibt viele Anbieter, die es gut machen und es werden tatsächlich jeden Tag mehr. Zum Glück nimmt auch die Nachfrage weiter zu. Das muss aber nicht immer so sein. Vielleicht geht der Trend einmal in eine andere Richtung.
Airbnb und Co. bringen Unruhe und irgendwann fehlt Wohnraum für die Einheimischen. Verstehen Sie, dass die Politik einschränken will?
Ich denke, es ist richtig, die Kurzzeitvermietung in geordnete Bahnen zu lenken. Die Frage ist, wie man das macht . . .
. . . indem man zum Beispiel die Vermietung auf 90 Tage im Jahr beschränkt?
Dies finde ich nicht zielführend. Das wäre ja so, wie wenn einem Unternehmer vorgegeben würde, dass er nur noch drei Tage pro Woche arbeiten darf.
Was ist die Lösung?
Es ist schon viel gewonnen, wenn die Anbieter registriert und bis zu einem gewissen Grad kontrolliert werden. Sinnvoll wäre zudem, kurzfristige Vermietung nur noch auf eigene Objekte mit Zweitwohnungsstatus zu beschränken. So liesse sich die Kommerzialisierung reduzieren und die Gäste würden wieder intensiver und persönlicher von den Eigentümern selbst betreut. Falschparkieren, Nachtruhestörung, Energieverschwendung etc. würden stark eingedämmt. So würde verhindert, dass Wohnraum zu stark zum Geschäft wird und zu viel «Industrie» dahintersteckt. Es sollte nicht erlaubt sein, dass einzelne Anbieter, manche sogar aus einer anderen Region oder einem anderen Kanton, bei uns mehrere Dutzend Fremdobjekte anmieten und diese dann als Airbnbs weitervermieten.
Godi Huber
- Beitrag teilen