«Mehr als 80 Tiere gerettet»
AUS DEM SOFAHOCKER INS GLÜCK
«Oreo und Cookie waren die ersten Kaninchen, die nach der Eröffnung unserer Tierklappe im November abgegeben wurden. Allerdings wurden sie nicht in der Klappe untergebracht, sondern daneben in einem Sofahocker ausgesetzt. Zum Glück hatten die abgebenden Personen das Abgabeformular ausgefüllt, sodass wir rasch reagieren und die beiden in Sicherheit bringen konnten.
Schon bald zeigte sich, wie freundlich und neugierig die beiden waren. Sie genossen den Platz, die Fürsorge und die Möglichkeit, endlich einfach Kaninchen sein zu dürfen. Für uns war ihre Geschichte aber noch nicht zu Ende. Da sie im Winter abgegeben wurden und aus Innenhaltung stammten, konnten wir sie nicht sofort in Aussenhaltung vermitteln. Deshalb blieben Oreo und Cookie mehrere Monate bei uns. Wir warteten bewusst auf den richtigen Zeitpunkt und vor allem auf das richtige Zuhause.
Dann war es endlich so weit: Oreo und Cookie durften in ihr endgültiges Zuhause ziehen – und schöner hätten wir es uns kaum wünschen können. Heute leben sie in einem grosszügigen Freilaufgarten mit einem riesigen Nachtgehege. Ihr neuer Halter ist ein echter Tüftler und hat sogar einen direkten Zugang in den kühlen Keller gebaut, damit sich die beiden auch an heissen Sommertagen zurückziehen können.
Wenn wir Bilder von Oreo und Cookie erhalten, erfüllt uns das mit grosser Freude. Zu sehen, wie selbstverständlich sie ihr neues Zuhause erkunden, Haken schlagen und ihr Kaninchenleben geniessen, erinnert uns daran, warum sich jeder Einsatz lohnt. Oreo und Cookie waren die ersten Kaninchen, die den Weg zur Tierklappe fanden.
Deshalb werden sie immer einen besonderen Platz in unserer Geschichte haben. Manchmal beginnt ein Happy End eben nicht mit einer perfekten Tierabgabe. Manchmal beginnt es in einem Sofahocker neben der Tierklappe – und führt trotzdem genau dorthin, wo ein Tier hingehört: in ein liebevolles Zuhause.»
Tierklappe: Oben: Oreo und Cookie geniessen ihr neues Leben. Unten: Dieses Kaninchen kämpfte bei der Abgabe um sein Leben. Rechts: Initiantin Jasmin Reinhard mit Pflegekaninchen Finn. © zvg
RETTUNG KAM NOCH RECHTZEITIG
«Eigentlich klang es nach einer ganz normalen Abgabe. Eine Familie rief an, weil sie die Kaninchenhaltung aufgeben wollte. Der Partner ihres Kaninchens war verstorben und sie wollten das verbliebene Tier nicht mehr behalten. Als Begründung nannten sie etwas, was wir leider immer wieder hören: Die Kaninchen seien ein Schulprojekt gewesen, und das Interesse des Kindes verloren gegangen.
Am nächsten Tag holten wir das Kaninchen ab. Aus Selbstschutz verbringen wir bei Tierabgaben möglichst wenig Zeit vor Ort, denn solche Situationen können emotional sehr belastend sein. Darum beurteilen wir die Tiere erst in Ruhe bei uns in der Auffangstation. Äusserlich wirkte das Kaninchen ruhig, doch das täuschte: Sein Hinterteil war komplett verkotet. Es konnte kaum auf den Beinen stehen und war so übergewichtig, dass ihm jede Bewegung schwerfiel. Sein Speiseplan bestand grösstenteils aus billigem Trockenfutter. Sein Darm arbeitete kaum – für Kaninchen ein lebensbedrohlicher Zustand. Da ihr Verdauungssystem ständig in Bewegung bleiben muss, kann ein Darmstillstand innerhalb kürzester Zeit lebensgefährlich werden.
Wir reinigten und schoren das verklebte Fell und begannen mit der Zwangsfütterung. Am nächsten Morgen fuhren wir zum Tierarzt, damit seine Darmtätigkeit medikamentös wieder angeregt werden konnte. Die folgenden Tage waren ein Wechselbad der Gefühle. Alle paar Stunden wurde gefüttert, Medikamente verabreicht und gehofft. Dann kam der Moment, auf den wir so lange gewartet hatten: Sein Darm arbeitete wieder selbständig. Es begann wieder zu fressen. Es ging bergauf.
Heute lebt der Kaninchenherr in einem grosszügigen Garten mit zwei Kaninchendamen. Er kann rennen, buddeln und einfach Kaninchen sein – so, wie es jedes Kaninchen von Anfang an erleben sollte. Heute erinnert nichts mehr an den Zustand, in dem er zu uns kam.
Diese Story zeigt, dass hinter einer scheinbar gewöhnlichen Tierabgabe oft ein Tier steckt, das dringend Hilfe braucht. Sie erinnert uns auch daran, wie wichtig eine artgerechte Ernährung und Haltung sind. Nicht jedes Kaninchen meistert diesen Weg. Umso mehr freuen wir uns über jedes einzelne, das es schafft.»
Jasmin Reinhard
Präsidentin Stiftungsrat Tierklappe
tierklappe-schweiz.ch
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