Munition mit Plattform und Tauchglocke bergen
«Wir freuen uns, bekannt geben zu können, dass unser zum Patent angemeldetes Konzept zur UXO-Bergung im Rahmen des Schweizer Ideenwettbewerbs mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurde», schreibt das spezialisierte niederländische Unternehmen Royal IHC in einer Medienmitteilung. Dabei hat sich die Firma in einer Kooperation mit REASeuro gegen 213 Konkurrenten durchgesetzt und den vom Bund ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen. UXO? Richtig: Unexploded Ordnance, also nicht explodierte Munition, wird international als UXO bezeichnet.
IN 150 BIS 215 METERN TIEFE
Die rund 4600 Tonnen militärische Munition schlummern laut Experten in einer Tiefe von 150 bis 215 Metern. In erster Linie handelt es sich um zu viel produzierte Munition aus dem Zweiten Weltkrieg und Fehlchargen aus der Produktion der Munitionsfabriken Thun und Altdorf. «Zwischen 1918 und 1964 wurde in den Seen versenkt, was nicht mehr von Nutzen war», schreibt die «Berner Zeitung». Das Motto «Aus den Augen, aus dem Sinn» mag damals geholfen haben, heute könnte es zum Problem werden. Denn eine Freisetzung von Schadstoffen aus der versenkten Munition ist möglich, das Verschmutzungspotenzial wäre riesig.
Mit einer Art Taucherglocke soll die versenkte Munition magnetisch aus dem Thunersee geborgen und auf der Plattform entschärft und recycelt werden.
Das Projekt der IHC Royal überzeugte die Jury aus Behörden, Instituten und Hochschulen vollends. Zu den Kernelementen der niederländischen Lösung gehörten . . .
. . . eine luftgefüllte Taucherglocke, die eine trockene, kontrollierte Umgebung auf dem Seegrund schafft und so die Ausbreitung kontaminierter Sedimente verhindert.
. . . der Einsatz starker Elektromagnete und einer vibrierenden Nadel, die die Bergung von Blindgängern aus bis zu zwei Metern Tiefe im Sediment ermöglichen.
. . . ein speziell entwickelter Behälter, in dem die Blindgänger gesammelt und mittels eines Kassettensystems sicher an die Oberfläche transportiert werden.
. . . die M4N-Anlage auf der Oberflächenplattform – ein modulares und automatisiertes System zur sicheren Neutralisierung und zum Recycling geborgener Munition – automatisiert den gesamten Prozess und gewährleistet so das sichere Recyceln aller Komponenten.
«Dass aufgrund der Automatisierung keine Personen direkt vor Ort sein müssen, erhöht die Sicherheit», betonte Hubert van Strien von der Gewinnerfirma Royal IHC.
SOFORTIGE BERGUNG IST NICHT GEPLANT
Zwar liegen die Ideen nun auf dem Tisch, doch eine Bergung der Munition ist noch nicht geplant. Zum einen, weil laufende Tests durch ein Spezialistenteam gezeigt haben, dass bisher keine munitionsspezifischen Schadstoffspuren nachgewiesen wurden. Zum andern, weil es sich bei den Projekten um Ideen handelt. «Keine davon ist sofort umsetzbar », sagte Anne-Laure Gassner, die Projektverantwortliche von Armasuisse, gegenüber den Medien. «Denn die Lösungen wurden bisher nicht getestet.»
Auf die Frage nach den Kosten einer solchen Bergung hat man bei Armasuisse noch keine Antwort.
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