Oberhofen hat die Qual der Wahl – doch ein «Linksrutsch» steht schon heute fest
Es tut sich was in Oberhofen: Noch bevor die Wahlzettel verteilt werden, steht schon fest, dass die «Goldküsten»- Gemeinde einen «Linksrutsch» erleben wird. Denn auf den bisherigen Gemeindepräsidenten Philippe Tobler, der sein Amt aus beruflichen Gründen Ende Juni abgegeben hat, wird kein SVP-Parteikollege folgen.
«Es gibt eine Wahl um seine Nachfolge», vermeldete die Gemeinde Oberhofen. «Petra Maurer Stalder (SP), Hans- Peter Hauenstein (Die Mitte) und Romeo Arnold (GLP) haben fristgerecht ihre Kandidatur eingereicht.» Die Ortsparteien hatten ihre Kandidatinnen und Kandidaten vorgängig nominiert.
Die Ersatzwahl erfolgt am 16. August im Majorzverfahren. Ein allfälliger zweiter Wahlgang ist auf den 6. September angesetzt. Die Amtsdauer läuft bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode im Jahr 2028.
Die Betriebswirtschafterin Petra Maurer Stalder war von 2017 bis 2019 Gemeinderätin in Oberhofen (Ressort Soziales). Heute ist sie Vizepräsidentin der Spitex-Dienste RUTU, Präsidentin der SP Oberhofen und Co-Präsidentin der SP rechtes Thunerseeufer.
Der Betriebsökonom Hans-Peter Hauenstein ist seit 2024 Mitglied des Gemeinderats und war zuvor während zwölf Jahren in der Finanzkommission tätig.
Der Umweltingenieur Romeo Arnold führt seit 2024 als Gemeinderat das Ressort Tiefbau und Umwelt in Oberhofen. Er sitzt zudem im Grossen Rat.
Romeo Arnold (GLP)
Warum sind Sie am 16. August 2026 die absolut beste Wahl für Oberhofen?
Als Gemeinderat Tiefbau und Umwelt kenne ich unsere Infrastrukturen, bekomme die Wünsche und Sorgen der Bevölkerung mit und weiss, wer für was zuständig ist, auch über unsere Gemeinde hinaus. Als Grossrat weiss ich zudem, was in der regionalen und kantonalen Politik läuft. Als Ingenieur bringe ich das nötige Handwerk mit, um Probleme rasch zu erfassen, Lösungsvarianten zu erarbeiten und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Und schliesslich bin ich als werdender Vater auch nahe bei familienpolitischen sowie schulischen Themen und werde hier meine Erfahrungen aus erster Hand einbringen können.
Wie hoch schätzen Sie persönlich Ihre Wahlchancen ein?
Ich erfahre eine breite Unterstützung der Parteien (SVP, FDP, Grüne und GLP) und bekomme viele positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Von daher sind meine Chancen sicher intakt.
Mit welchen drei konkreten Massnahmen halten Sie den Gemeindesteuerfuss in den nächsten zwei Jahren stabil?
Vorausschauende Planung, Priorisierung der Investitionen, Einholen von Projektsubventionen.
Das Präsidium ist ein 35-Prozent-Teilzeitamt. Wie garantieren Sie bei diesem Pensum eine effiziente Führung von Gemeinderat und Verwaltung?
In meinem Job als Projektleiter kann ich meine Arbeitszeit sehr flexibel gestalten und bin so sehr schnell für die Gemeinde verfügbar, auch bei unvorhergesehenen Anliegen.
Welchen politischen Kurs des zurücktretenden Philippe Tobler führen Sie weiter, welchen brechen Sie ab?
Eine gut funktionierende Verwaltung ist das A und O einer Gemeinde. Philippe war dies wichtig und das möchte ich so weiterführen. Projekte wie die gemeindeeigenen Liegenschaften oder der Seeplatz wurden hinausgezögert und die möchte ich nun anpacken.
Was unternehmen Sie aktiv gegen das Lädelisterben und für die Belebung des Dorfkerns?
Über Gutscheine möchte ich auf unsere tollen Läden aufmerksam machen, damit die Einheimischen diese vermehrt besuchen. Der Dorfkern wird durch die Entwicklung des Seeplatzes besser belebt.
Was wünschen Sie sich für das mittlerweile heruntergekommene Lido-Areal?
Dass das angedachte Wohnbauprojekt bald umgesetzt wird.
Oberhofen und Hilterfingen haben im Mai eine koordinierte Planungszone für Zweitwohnungen erlassen. Wie sieht Ihre langfristige Strategie gegen die «kalten Betten» aus?
In Oberhofen haben wir seit 1990 die Regelung, dass bei einem Neubau maximal 20 Prozent der Fläche als Zweitwohnung genutzt werden kann. Trotzdem steigt der Anteil an Zweitwohnungen stark an, weil altrechtliche Wohnungen in Zweitwohnungen umgenutzt werden. Mein Ziel ist es, weiterhin unter der 20-Prozent-Grenze zu bleiben, damit wir nicht in die Regelungen des Zweitwohnungsgesetzes fallen. Es soll weiterhin möglich sein, in vernünftigem Masse Ferienwohnungen für Langzeitgäste zu realisieren. Kurzaufenthalte unterstütze ich nicht. Grundsätzlich soll unser beschränkter Wohnraum für Erstwohnsitze genutzt werden.
Apropos Koordination: Streben Sie langfristig eine Fusion mit Hilterfingen an oder muss Oberhofen zwingend eigenständig bleiben?
Aktuell ist eine Fusion kein Thema. Die Zusammenarbeit in vielen Bereichen wie Feuerwehr oder Schule klappt sehr gut und muss aufrechterhalten und wo sinnvoll ausgebaut werden.
Welches ist Ihr persönlicher Lieblingsort in Oberhofen – und warum?
Unsere Terrasse. Dort habe ich einen herrlichen Ausblick auf See, Berge und Schloss. Es ist traumhaft schön und sieht jeden Tag ein bisschen anders aus. Auch das Homeoffice klappt hier sehr gut 🙂
Interview Dieter Liechti
Hans-Peter Hauenstein (Mitte)
Warum sind Sie am 16. August 2026 die absolut beste Wahl für Oberhofen?
Weil ich Oberhofen kenne, hier verwurzelt bin und die Menschen verstehe. Seit fast 30 Jahren lebe ich hier und engagiere mich in verschiedenen Gremien. Ich weiss, wie man unterschiedliche Interessen zusammenbringt und Lösungen findet. Diese Erfahrung möchte ich als Gemeindepräsident für Oberhofen einsetzen.
Wie hoch schätzen Sie persönlich Ihre Wahlchancen ein?
Ich glaube an meine Chance – sonst würde ich nicht kandidieren. Gleichzeitig wissen wir alle: Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Am Ende entscheiden die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger.
Mit welchen drei konkreten Massnahmen halten Sie den Gemeindesteuerfuss in den nächsten zwei Jahren stabil?
Erstens mit einem sorgfältigen Umgang mit den Geldern, die uns anvertraut sind. Zweitens mit dem Werterhalt unserer Infrastruktur. Und drittens mit einer vorausschauenden Finanzplanung.
Das Präsidium ist ein 35-Prozent-Teilzeitamt. Wie garantieren Sie bei diesem Pensum eine effiziente Führung von Gemeinderat und Verwaltung?
Ich werde mein Arbeitspensum anpassen können, um den notwendigen Freiraum zu haben. Entscheidend ist aber nicht nur die verfügbare Zeit, sondern auch das Team. Mit einem engagierten Gemeinderat und einer hervorragenden Verwaltung kann ich auf eine starke und eingespielte Mannschaft zählen.
Welchen politischen Kurs des zurücktretenden Philippe Tobler führen Sie weiter, welchen brechen Sie ab?
Philippe Tobler ist es zusammen mit Gemeinderat und Verwaltung durch ruhige, transparente Arbeit gelungen, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen. Das ist weniger ein politischer Kurs als vielmehr eine Haltung. Diesen Weg werde ich weiterführen und die in der Legislaturplanung definierten Projekte umsetzen.
Was unternehmen Sie aktiv gegen das Lädelisterben und für die Belebung des Dorfkerns?
Wenn ich ehrlich bin: zu wenig. Wie viele erledige ich meinen Wocheneinkauf nicht im Dorf. Ihre Frage verstehe ich als Ansporn an mich persönlich. Ein lebendiger Dorfkern braucht Kunden. Wir alle können dazu beitragen, indem wir unsere Dorfbetriebe unterstützen.
Was wünschen Sie sich für das mittlerweile heruntergekommene Lido-Areal?
Eine Überbauung mit neuem Wohnraum, die sich architektonisch harmonisch in das Ortsbild einfügt und insbesondere den Charakter der Wichterheerhäuser respektiert.
Oberhofen und Hilterfingen haben im Mai eine koordinierte Planungszone für Zweitwohnungen erlassen. Wie sieht Ihre langfristige Strategie gegen die «kalten Betten» aus?
Ein Dorf lebt in erster Linie von seinen Bewohnenden. Deshalb müssen wir Wohnraum für Menschen erhalten, die hier leben und am Dorfleben teilnehmen. Es ist unsere Aufgabe, Lösungen zu erarbeiten für eine langfristig ausgewogene Balance zwischen Erst- und Zweitwohnungen.
Apropos Koordination: Streben Sie langfristig eine Fusion mit Hilterfingen an oder muss Oberhofen zwingend eigenständig bleiben?
Vor über hundert Jahren wurde der Gemeindeverband gegründet. Er sollte fortan zuständig für die Schulen, das Fürsorge- und Bestattungswesen sein. Das Visionäre – eigenständig bleiben und doch zusammenarbeiten – funktioniert bis heute. Für mich braucht es nicht eine Gemeindefusion. Es braucht gute Ideen, gegenseitiges Vertrauen und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit.
Welches ist Ihr persönlicher Lieblingsort in Oberhofen – und warum?
Der Schlosspark mit seinen mächtigen alten Bäumen. Sie strahlen Kraft, Ruhe und Beständigkeit aus.
Interview Dieter Liechti
Petra Maurer Stalder (SP)
Warum sind Sie am 16. August 2026 die absolut beste Wahl für Oberhofen?
Weil ich mich dafür einsetzen will, dass Oberhofen auch in Zukunft ein Dorf für alle bleibt – mit hoher Lebensqualität, sicheren Schulwegen und genügend Wohnraum für alle Generationen. Als Vizepräsidentin der Spitex- Dienste RUTU, ehemalige Gemeinderätin, Mutter und engagierte Oberhofnerin kenne ich die Anliegen und Bedürfnisse vieler Menschen in unserem Dorf aus eigener Erfahrung.
Wie hoch schätzen Sie persönlich Ihre Wahlchancen ein?
Rein wahlarithmetisch: etwa ähnlich wie die Chancen des FC Thun auf einen Schweizermeister- Titel (lacht).
Mit welchen drei konkreten Massnahmen halten Sie den Gemeindesteuerfuss in den nächsten zwei Jahren stabil?
Mit klaren Prioritäten, einer sorgfältigen Finanzplanung und Investitionen dort, wo sie den grössten Nutzen für die Bevölkerung bringen.
Das Präsidium ist ein 35-Prozent-Teilzeitamt. Wie garantieren Sie bei diesem Pensum eine effiziente Führung von Gemeinderat und Verwaltung?
Bewährtes weiterführen, effizient planen und pragmatisch umsetzen. Dafür möchte ich Gemeinderat, Verwaltung und Bevölkerung näher zusammenbringen. Eine anspruchsvolle Aufgabe, die ich mit meiner Führungserfahrung aus Beruf und Politik sowie dem Rückhalt meiner Familie anpacken möchte.
Welchen politischen Kurs des zurücktretenden Philippe Tobler führen Sie weiter, welchen brechen Sie ab?
Philippe hat Ruhe und Stabilität ins Dorf gebracht und ein starkes Verwaltungsteam aufgebaut. Hier möchte ich anknüpfen. Bei Schulwegsicherheit, öffentlichen Räumen und Wohnpolitik setze ich stärker auf Mitwirkung der Bevölkerung.
Was unternehmen Sie aktiv gegen das Lädelisterben und für die Belebung des Dorfkerns?
Begegnungsräume schaffen, die Gross und Klein anziehen und verbinden. Wo Menschen sich gerne begegnen, profitieren auch die lokalen Geschäfte.
Was wünschen Sie sich für das mittlerweile heruntergekommene Lido-Areal?
Das Barell-Gut hat gezeigt: Auch schwierige Situationen lassen sich lösen, wenn alle Beteiligten den konstruktiven Dialog suchen. Einen solchen Weg strebe ich auch für das Lido an.
Oberhofen und Hilterfingen haben im Mai eine koordinierte Planungszone für Zweitwohnungen erlassen. Wie sieht Ihre langfristige Strategie gegen die «kalten Betten» aus?
Oberhofen lebt davon, dass Menschen hier wohnen und zum Dorfleben beitragen – nicht nur Ferien machen. Die Planungszone gibt uns Zeit, gemeinsam mit der Bevölkerung gute Lösungen zu entwickeln. Die Vermietung privater Zimmer oder Studios über Plattformen wie AirBnB soll weiterhin möglich sein. Gleichzeitig müssen wir verhindern, dass dem Wohnungsmarkt weitere Wohnungen entzogen werden. Mit der Vereinbarung für 25 bezahlbare Wohnungen im Barell-Gut ist ein wichtiger Schritt gelungen. Darauf möchte ich aufbauen.
Apropos Koordination: Streben Sie langfristig eine Fusion mit Hilterfingen an oder muss Oberhofen zwingend eigenständig bleiben?
«Verliebt» sind unsere Gemeinden schon lange – bei Schule, Spitex, Feuerwehr, Vereinen und vielen weiteren Bereichen läuft alles gemeinsam. Ob daraus irgendwann eine politische Hochzeit wird, sollten wir offen und mit der Bevölkerung diskutieren. Denn wie bei jeder guten Beziehung zählen am Ende nicht nur die Fakten, sondern auch die Verbundenheit.
Welches ist Ihr persönlicher Lieblingsort in Oberhofen – und warum?
Zu Hause am Rebbergweg – bei meiner Familie und mitten in unserer wunderbaren Nachbarschaft.
Interview und Foto Dieter Liechti
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