Ernüchternd: Wer bei Gault & Millau nach Restaurants an der rechten Thunerseeseite sucht, wird enttäuscht.

Sehr gutes Niveau, aber weder Sterne noch Punkte

Wer beim Dinner auf Gault & Millau-Punkte oder Michelin-Sterne besteht, wird an der rechten Thunerseeseite derzeit nicht fündig – er oder sie müssen nach Thun. «Trotzdem ist das Niveau in der Region sehr gut», so Gastrokritiker David Schnapp.

Die «Haute-Cuisine» ist im Berner Oberland durchaus ein grosses Thema. Aber derzeit nicht am rechten Ufer des Thunersees: Ausgerechnet die sogenannte «Goldküste» glänzt in den einschlägigen Gourmet-Guides mit Abwesenheit.

Das war nicht immer so. 2012 schaffte es beispielsweise das Restaurant Schönbühl in Hilterfingen mit 14 Punkten in die begehrte Liste. 14 Punkte bedeuteten damals im Gault & Millau-Kosmos: «Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet.» Vergangenheit: Auch das Schönbühl wird nicht mehr unter den 800 in der Schweiz getesteten Restaurants gelistet. Und wer heute im Internet bei Gault & Millau unter den Gemeinden Heiligenschwendi, Hilterfingen, Oberhofen und Sigriswil nach Restaurant- Empfehlungen und Punkten sucht, wird enttäuscht. «Leider wurden keine mit ihrer Suchanfrage übereinstimmenden Dokumente gefunden», heisst die immer gleiche Antwort der Gourmet-Bibel.

GUTBÜRGERLICH, ABER NICHT INNOVATIV

Das ist hart. Denn 12 Punkte gibt es laut dem aktuell gültigen Punktesystem nämlich bereits für Restaurants mit einer «herkömmlichen, guten Küche ohne Ambitionen». Steht es tatsächlich so schlecht um das Gastro-Niveau am rechten Thunerseeufer? «Nein, natürlich nicht», beschwichtigt der Zürcher Gastrokritiker David Schnapp. «Die Küchen sind mehrheitlich gutbürgerlich, aber qualitativ sehr gut. Vielleicht fehlt da und dort eine Prise Innovation, um auf sich aufmerksam zu machen.»

14 Punkte fürs Ristorante Beau-Rivage Da Domenico in Thun. «Sie machen es einfach gut», schreibt Gault & Millau.

G & T-CHANNEL

Der GaultMillau-Channel versteht sich als Food-Plattform No. 1 in der Schweiz und liefert 365 Tage im Jahr rund um die Uhr Breaking News, News, Stories und Interviews aus der Szene, dazu Rezepte und Rezeptvideos der besten Chefs im Land. Erfahrene Profi-Journalisten liefern alles, was Food Lovers wissen möchten. Leidenschaftliche Fotografen begeistern sie auf ihren Reportagen. Die Geschichten werden auf Social Media gepusht. Die Newsletters haben eine ungewöhnlich hohe Öffnungsrate. Der GaultMillau bewertet und beschreibt die 850 besten Restaurants und 250 lifestylige POPAdressen. Das GaultMillau-Rating gilt in der Branche als Massstab und Gütesiegel. Die Channel-Community wird jedes Jahr markant grösser.

gaultmillau.ch

Was also tun?

Wenn Donald Trump Grönland falls nötig mit Waffengewalt übernehmen will, finden wir es auch okay, das Aareufer bis zur Scherzligschleuse und den Bereich bis zum Thuner Seepark freundschaftlich und Gastro-technisch zu annektieren. Das heisst: Die 13 Gault-Millau-Punkte des «Dampschiff » und die 14 Punkte des Ristorante Beau-Rivage Da Domenico zählen wir ab sofort ebenso zum rechten Thunerseeufer, wie das Hotel Seepark. Dort sorgt Sascha Spring mit Centric Dining (siehe Box unten), für Furore.

Das «Dampfschiff» seinerseits wird einerseits gelobt: «Kevin Wüthrich legt eine kreative Karte mit Gerichten aus regionalen Zutaten auf.» Andereseits gerügt: «Die Umgebung stimmt, aber es hapert bei der Umsetzung.» Damit können Wüthrich und Gastgeberin Andrea Vogt sicher leben, Gourmets eher weniger. Denn: «Unser letzter Sommer …» ist auf der Homepage des «Dampfschiff» zu lesen. Bis Ende Februar können sich Interessenten bei der buma gastrog GmbH melden und für eine Nachfolge des erfolgreichen Duos vorstellen.

Und wie beurteilt Gault & Millau das Ristorante Beau- Rivage Da Domenico? «Sie machen es einfach gut, im sympathischen Restaurant an der Aare. Der omnipräsente Gastgeber Natale Fava dirigiert den charmanten Service und kommentiert die Weinkarte mit vielen offenen Crus. Und Küchenchef Donatello Semeraro schraubt stetig an der Qualität seiner abwechslungsreichen, kreativen und saisonalen italienischen Küche.

beau-rivage-thun.ch
dampfschiff-thun.ch

ENTDECKUNG DES JAHRES IN THUN

Der vergangene Herbst brachte gleich zwei bedeutende Auszeichnungen an den Thunersee (wenn auch nicht an die rechte Seite des Sees): Der 25-jährige Sascha Spring, Küchenchef des Centric Dining im Hotel Seepark Thun, wurde von GaultMillau mit 16 Punkten und dem Titel «Entdeckung des Jahres» geehrt.

Nur zwei Wochen später doppelte Spring an der Verleihung von Guide Michelin mit dem ersten Stern am Thunersee nach.

Damit ist Sascha Spring der jüngste Sternekoch der Schweiz. Mit dem Gourmet- Konzept Centric Dining steht das Vier-Sterne-Superior- Hotel Seepark definitiv auf der Bucketlist von Geniesserinnen und Geniesser.

seepark.ch

Sascha Spring ist Chefkoch im Hotel Seepark und von Gault Millaut mit 16 Punkten zur Entdeckung des Jahres gekürt worden. ©️ Patric Spahni