FC-Thun-Star Valmir Matoshi zu Besuch auf dem Sportplatz des FC Hünibach. © Dieter Liechti

Vom FC Hünibach in die Champions League?

Läuft alles optimal für den FC Thun, so könnte diese Schlagzeile schon 2026 in Erfüllung gehen. Denn mit dem dynamischen Valmir Matoshi (22) kämpft ein ehemaliger Hünibächler um die Schweizer Fussball-Sensation.

«Die ganze Schweiz ist im FC-Thun-Fieber, nur in Thun selber spürt man nichts davon.» So titelten die Schweizer Sportmedien vor ein paar Wochen, als der FC Thun zu seinem Höhenflug ansetzte. «Von Euphorie kann in Thun keine Rede sein – weder auf noch neben dem Platz.»

Pech für die Journalisten, dass sie nicht Mittelfeldmotor Valmir Matoshi nach Hünibach begleitet haben, wo der gebürtige Thuner seinem ersten Verein, dem FC Hünibach, einen unangekündigten Besuch abgestattet hat. Denn die Junioren – Mädchen und Buben – drehten durch. Das Training wurde gestoppt, statt Liegestütze gabs Selfies und Valmir unterschrieb vom T-Shirt über Goalie-Handschuhe, Schienbeinschoner und Fussballschuhe alles – im wahrsten Sinne des Wortes.

«Es ist doch wunderschön, wenn ich meinem ersten Verein auch etwas zurückgeben kann», gibt sich Valmir Matoshi bescheiden. Und freut sich auch heute noch über die schmucke, kleine Sportanlage am rechten Thunerseeufer. «Oben der Hügel mit den Chalets, unten der See, mittendrin das Spielfeld (damals noch mit Naturrasen) und daneben der leuchtend rote Hartplatz – das war für rund vier Jahre meine fussballerische Heimat.»

Dynamisches Kraftpaket: Mit seiner kampfbetonten Spielweise passt Valmir Matoshi perfekt zum Leader FC Thun. © Levin Anneler

Wieso eigentlich der FC Hünibach? «Weil es ein Katzensprung von meinem Zuhause war», erinnert sich Matoshi, der mit seinem Team auch mal einen Pokal bei einem Hallenturnier gewonnen hatte. «Er sah aus, wie der Pokal bei der Fussball-WM – wir sind alle fast ausgeflippt.»

Nach vier Jahren bei Hünibach wechselte Valmir zum FC Thun, wo er alle Junioren-Stationen erlebte, den ersten Profi-Vertrag unterschrieb und schliesslich als 19-Jähriger in der Challenge League sein Startelf-Debüt feierte. Und wie: Beim 3:1-Sieg gegen die AC Bellinzona im Tessin traf Matoshi gleich dreimal – Matchwinner, bald danach Aufgebote für die Schweizer U20 und U21.

«FC THUN IST WIE EINE ZWEITE FAMILIE»

Der vermeintliche Auftakt einer grossen Karriere. Doch Valmirs Karriere kam ins Straucheln: «Als mein Vater vor drei Jahren an Krebs starb, hat es mir den Boden unter den Füssen weggezogen», erinnert sich der Familienmensch an die schwersten Stunden seines noch jungen Lebens. «Obwohl Fussball mein Leben ist, war der Sport plötzlich nur noch Nebensache.» Matoshis Leistungen stagnierten, doch der FC Thun fing das Talent auf. «Trainer Mauro Lustrinelli, Andreas Gerber und der ganze Staff halfen mir und unterstützten mich in dieser Zeit – wie eine zweite Familie. Das werde ich dem FC Thun nie vergessen.»

Längst hat der dynamische Mittelfeldspieler wieder zu seiner Stärke zurückgefunden und spielt eine starke Saison. So stark, dass sich bei einer Umfrage auf «20 Minuten» im März die Hälfte der Befragten dafür aussprachen, dass sich Nati-Trainer Murat Yakin bei Valmir Matoshi melden soll. Das tat Yakin nicht, die Siegesserie des FC Thun ging zu Ende und seit ein paar Wochen wird Matoshi von einer kleinen Verletzung geplagt. «Ich bin natürlich trotzdem zuversichtlich, dass wir Meister werden», so Matoshi, der seine KV-Lehre in der Personalabteilung des Inselspitals absolviert hat. «Wir haben es selber in der Hand: Unser Vorsprung beträgt vor den letzten fünf Runden 11 Punkte und wir haben noch das Nachtragsspiel gegen den FCB.»

«JEDER KÄMPFT FÜR DEN ANDERN»

Hätte er sich so ein Resultat nach dem Aufstieg vor einem Jahr vorstellen können? «Leader mit so vielen Punkten Vorsprung? Nein, das hat sich wohl niemand vorgestellt. Aber wir waren als Team überzeugt, dass wir auch als Aufsteiger nicht gegen den Abstieg spielen würden.» Woher kam diese Zuversicht nach den fünf Jahren in der Challenge League? «Wir sind ein eingespieltes Team – auf und neben dem Platz. Und zwar nicht nur am Matchtag, sondern immer», erklärt Valmir den Erfolg. «Im Gegensatz zu vielen anderen Teams wurden wir nicht auf diese Saison neu zusammengewürfelt, sondern die bewährte Basis blieb bestehen und wurde ergänzt. Deshalb verstehen wir uns oftmals blind. Aber vor allem – auch wenn es nach einem Klischee tönt: Jeder kämpft für den anderen. Wir sind wirklich ein Team!»

Und wie weit kann es dieser FC Thun noch bringen? «Nun wollen wir in erster Linie den ersten Meistertitel der Clubgeschichte realisieren. Dann wird man weitersehen», gibt sich Matoshi optimistisch. Und träumt er von der Champions League? «Jeder Fussballer träumt doch davon», lacht er. «Und mit unserem direkten und kampfbetonten Spiel könnten wir als Underdog sicher auch international den einen oder anderen Gegner überraschen. Aber warten wir mal ab . . .»

fc-huenibach.ch
fcthun.ch

Zurück zu den Wurzeln: Vier Jahre lang «tschuttete» Valmir Matoshi bei den Junioren des FC Hünibach. «Ich habe tolle Erinnerungen», so der Mittelfeldspieler des FC Thun bei seinem letzten Besuch in Hünibach Ende März. Wie die Bilder beweisen, sorgte die Stippvisite für viel Aufregung beim Hünibach-Nachwuchs. @ Dieter Liechti