Simon Brügger (50) freut sich vor dem Bootshaus der Segelschule Thunersee auf die neue Saison.
«Im Winter werden 50 Boote fit gemacht»
«Winterschlaf?», lacht Simon Brügger (50) und schaut aus seinem Büro in Hilterfingen auf den heute graublauen, kalten Thunersee. «Schön wärs. Viele Leute denken tatsächlich, dass wir sechs Monate Segeln und danach sechs Monate in der Karibik am Strand liegen.»
Das Gegenteil ist der Fall: in diesen Tagen werden die letzten Boote für die neue Saison fertiggemacht und Ende Februar / Anfang März eingewassert. «Alleine das Einwintern der Boote im November dauert rund einen Monat», erklärt Brügger, während Edi Scheurer (62) die Takelage an einem der Boote vorbereitet. «Edi und ich sind auch im Winter zu 100 Prozent hier – ich als Vollzeit-Leiter der Segelschule, Edi als Verantwortlicher für die Infrastruktur auf seinen eigenen Wunsch im Stundenlohn.» Für die Administration ist seit bald 25 Jahren Caro Eschler (51) zuständig und ein Team erarbeitet derzeit das Kursprogramm, das beliebte Jahresmagazin der Segelschule Thunersee und einen neuen Webauftritt. «Wir müssen auch in diesem Bereich investieren, um konkurrenzfähig zu bleiben», so Brügger.
Und konkurrenzfähig ist die Segelschule Thunersee – sie wurde 1935 als erste Segelschule der Schweiz gegründet und ist seitdem auch die Grösste der Schweiz. Ins Leben gerufen wurde die Segelschule vom Thunersee Yacht Club TYC und Thunersee Tourismus als «aktiver Sommerurlaub». «Zu jener Zeit begann der Winter-Tourismus mit Skiferien zu boomen und man wollte den Gästen auch ein attraktives Sommerprogramm bieten» so Brügger.
Ready to take-off: Die über 50 Boote der Segelschule Thunersee sind bereit für die kommende Saison.
Das hat funktioniert. «In einer guten Sommerwoche haben wir bis zu 70 Gäste, die täglich mit uns segeln», freut sich Brügger, der die Leitung 2017 von «Hämpu» Iseli übernommen hat. «Darunter haben wir Gäste, die bereits in vierter Generation bei uns das Segeln lernen.» Sie schätzen den familiären und freundlichen Umgang und natürlich das grosse Knowhow der Lehrerinnen und Lehrer. «Insgesamt arbeiten im Sommer etwas mehr als 70 Leute für die Segelschule», bestätigt Brügger. «Viele schon seit Jahrzehnten.» Mit dabei sind aber auch sehr viele junge Regattasegler aus der Region, die in den Ferien bei der Segelschule Geld verdienen können. Also keine ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer? «Nein», betont der engagierte Leiter. «Wer mitarbeitet wird bezahlt.» Das ist Brügger sehr wichtig, auch bei den pensionierten Mitarbeitern. «Bei uns wird zwar niemand reich, aber gratis arbeiten soll niemand.»
Und gearbeitet wird: Derzeit leuchtet in der Werkstatt in Hilterfingen auch abends lange Licht, denn Edi bringt im Winter alle Boote auf Vordermann. Und das sind nicht wenige – die Flotte der Thunersee Segelschule umfasst mittlerweile über 50 Boote: «Das sind zum einen die drei grossen Yachten, die auch im Winter im Wasser bleiben», zählt Simon Brügger auf. «Dazu haben wir 16 ST19 Boote, drei Sharing-Boote, einen Yngling, diverse Jollen und natürlich unsere 14 Optimisten, auf denen die Kleinsten das Segel-Abc lernen.»
Auch der in Hünibach aufgewachsene Brügger lernte auf einem Optimisten, segelte später in der 420er- und 470er- Klasse und schaffte es auf zwei Olympia-Teilnahmen. «Das ist lange her», lacht der zweifache Vater, der mit einem Geschäftspartner 2008 das Boatsharing-Unternehmen Sailbox gegründet hatte. «Jetzt mache ich noch in einem Match-Race-Team mit, oder vergnüge mich mit meiner Skeeta.» Skeeta? «Eine neue Art des Segelns», erklärt Brügger. «Das kompakte Boot ist blitzschnell auf dem Wasser, überzeugt mit seiner Performance und dem Foilen auch im unteren bis mittleren Windbereich.» Was wünscht er sich für die kommende Saison? «Gutes Wetter, genügend Wind und zufriedene Gäste.»
Von wegen Winterpause: Edi Scheurer, der Verantwortliche für die Infrastruktur der Segelschule Thunersee, hat die vergangenen Monate mehrheitlich in seinem «Reich» – der Werkstatt – verbracht. Der begeisterte Segler arbeitet schon seit Jahrzehnten für die Segelschule und gehört quasi zum «Inventar».
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