Läuft rund: Aus der Chartreuse-Kreuzung wurde im November der Chartreuse-Kreisel.

Wussten Sie eigentlich, dass die Chartreuse …?

Spätestens seit den Bauarbeiten im vergangenen Jahr kennt man die Chartreuse-Kreuzung, neu Chartreuse-Kreisel. Doch wer kennt die Geschichte hinter dem französischen Namen? Gemeinsam mit «thunensis» klären wir auf – in vier Kapiteln.

Restaurant Chartreuse, Drogerie Chartreuse, Chartreuse Garage, Chartreuse fleurs, Kindergarten Chartreuse etc . . . Wer an der rechten Thunerseeseite lebt, kommt am Namen Chartreuse nicht vorbei. Zumindest nicht am neuen Kreisel, der im vergangenen November fertiggestellt wurde.

Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dem Namen Chartreuse? «Das Schloss Hünegg in Hilterfingen kennen alle», erklärt Lokalhistoriker Thomas Müller. «Dass es in der Nachbargemeinde Hünibach ein noch viel gigantischeres Schloss gegeben hat, ist nur wenigen bekannt.» Denn dieses Prunkschloss, stand trotz bester Lage von Anfang an unter einem schlechten Stern.

Das vom gebürtigen Thuner Thomas Müller gegründete Portal thunensis.com «erzählt Thuns Geschichte neu». Und damit auch die Geschichte des Schlosses Chartreuse in Hünibach. In vier Ausgaben werden unter anderem diese drei spannenden Fragen beantwortet:

  • Warum wurde das Schloss Chartreuse nur acht Jahre bewohnt und das lediglich von nur zwei Personen?

  • Welche Rolle hat der letzte deutsche Kaiser indirekt beim Niedergang des Schlosses Chartreuse gespielt?

  • Weshalb wurde 1941 der gesamte Mittelteil samt Schlossturm weggesprengt?

Die alte Kartause: hier eine Buchillustration, signiert von G. Roux.

Kapitel 1 – die Kartause

Das Bächigut mit der Kartause wurde vom Schultheissen Niklaus Friedrich von Mülinen um 1807 gekauft. Als Geschichtsforscher kannte er die wechselvollen Schicksale des ganzen Besitzes und nannte deshalb die prächtig gelegene Campagne, das Bächi mit der Kartause, zur Erinnerung an den einstigen Klosterbesitz der Kartäuser von Thorberg, den er im Jahre 1819 zu Wohnzwecken umgestaltete, «La Chartreuse».

Unter anderem hat er den markanten Turm anbauen lassen. Ab 1821 diente ihm die Kartause als Landsitz. Der Staatsmann verband mit der Anspielung auf den Orden wohl auch die Hoffnung, hier eine Stätte der Stille und der Gelehrsamkeit zu errichten. Den Geist des Mittelalters atmete auch die neugotische, an Sakralbauten gemahnende Architektur des Landhauses. Im Turm errichtete von Mülinen die mit über 6000 gedruckten Werken damals umfassendste private Bibliothek der Schweiz. Während 10 Jahren empfing er alles, was Rang und Namen hatte, in der Chartreuse. Sie war ein Fixpunkt der europäischen Politik und Kultur.

1831 hat von Mülinen das Anwesen aus gesundheitlichen und finanziellen Gründen verkauft, und zwar an den Pariser Bankier Rudolf Emil Adolf de Rougemont. Dessen Bruder, auch Bankier, hat übrigens sechs Jahre später das Schloss Schadau gekauft. Der neue Eigentümer der «Chartreuse» fügte grosse Neubauten von Wohn- und Wirtschaftsgebäuden hinzu.

1844 ist de Rougement gestorben und hat das Anwesen seiner Frau überlassen. Diese hat bald darauf den Baron Albert Emil Otto von Parpart geheiratet. Die Chartreuse war den beiden etwas zu bescheiden, darum haben sie ab 1861 das Schloss Hünegg gebaut. Das Anwesen blieb aber in ihrem Besitz und wurde nach ihrem Tod 1883 mehrfach versteigert und nach einigen Wirren 1890 von Johann Gerber und seiner Frau Mathilde Flachs Gerber als zukünftiger Alterssitz für 250 000 Franken gekauft. Gerber starb aber unerwartet im Mai 1895 und das Anwesen wurde im Januar 1896 an den deutschen Adligen Baron Moritz Kurt von Zedtwitz für 400 000 Franken verkauft.

Einzigartige Bilder, unbekannte Infos und Storys zur Thuner Geschichte gibts kostenlos auf:

thunensis.com

In der nächsten Ausgabe:

Kapitel 2 – der Segelunfall von Baron Zedtwitz